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"Sunset Mission"
Die TV-Nation hat sich eine Ausgangssperre auferlegt. Unter den orange leuchtenden Fenstern liegen leere Straßen, in den Tankstellen flackern die Kühlvitrinen vergeblich um die Gunst der Spontankäufer und die Regale der Trinkbüdchen sind voll von unverkauftem Sprit. Heute ist kein guter Tag zum Trinken, heut ist ein guter Tag zum Sterben. Das Bestattungsinstitut wirbt mit niedrigen Preisen. Und die massiv vergitterte Auslage des Waffengeschäfts zeigt neben ein paar Gewehren vor allem eine breite Auswahl an Handfeuerwaffen, an denen penible Kärtchen stecken. Preis oder Verwendungszweck, wer will es wissen? BOHREN: Der Driller-Killer mit der Black`n`Decker als überdimensioniertem Penisersatz (siehe Abel Ferrara / Brian De Palma) “Blood brothers (and sisters) wherever you may be, this GORE`s for you.” (Chas Balun,Horror Holocaust) SUNSET MISSION. Der Sonnenuntergang ist so schön, dass er durch vergiftete Unter- und Zwischentöne vor dem Kitsch gerettet werden muss. Der existenzialistische Ruhrpott von Bohren & Der Club Of Gore ist ein Alphaville unter Notbeleuchtung. Das Licht auf ihren Photographien wird zur Metapher :Tief im schattigen Orange liegt das traurige Scheitern einer schwingenden 25W-Glühbirne, die nur von Blutstropfen verziert wird. Und im Inlay von Sunset Mission wird das Grendel, von Matt Wagener zitiert: Morton, wie gefällt denn deiner Mutter die neue Platte? Sunset Mission ist das dritte Album der Band aus Mülheim-Ruhr - es hat sie drei Jahre, mehrere Tausender und jede Menge Neven gekostet. Und es hat sich gelohnt. Nach der sehr statischen DoCD Midnight Radio (95`), auf der sie die befreiende Ereignislosigkeit auf 11 durchnummerierten Songs / in 140 Minuten zur Vollendung trieben, erscheinen die Stücke auf Sunset Mission in der Vielfalt ihrer Mittel schon fast verspielt. Den deutlichsten Unterschied macht das Saxophon, das im Zusammenspiel mit dem E-Piano ungeahnte mondäne Welten entert. Am Pool, im Penthouse oder auf den Promi-Parties würde diese Musik Die Titel sind ebenso feinsinnig wie grobschlächtige Produktionen: Prowler, Midnight Walker und Darkstalker bewegen sich zwischen Nightwolf und Dead End Angels, im Hintergrund ist die Black City Skyline zu sehen. Nicht zuletzt zeugen Titel wie diese von einem höchst bizzaren Kulturverständniss, zu dem sich allenfalls Resident -Evil-Spieler u.ä. Galgenvögel in Beziehung setzen können. Und selbst das liegt in der Absicht von Bohren. Schlussendlich wollen sie, das sich jeder seinen eigenen Teil/ Film denkt. |
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