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Das Problem der Jugendkultur ist bekanntlich ihr Altern. Sie löst sich nicht auf oder implodiert, sondern wird ein meist gasförmiges, bestenfalls waberndes Etwas. Retro. Die Mods zum Beispiel. In den Sechzigern uniformierten sie sich - parallel zu den Skinheads - in einer völlig überzogenen Workingclass Ästhetik. Hyperaffirmation als größtmöglicher Protest gegen die Eltern. Der wahre Mod der 80er wäre dann der Popper in seinem VW Golf gewesen. Und eben nicht die Lambretta Jungs aus Leverkusen. Der wahre Modernist weiss sich zu wandeln. Und - bei allem Respekt der Vergangenheit gegenüber - der wahre Modernist ist immer vorn an: The Modernist is back! Comeback war das erste Lebenszeichen, eine 12inch Anfang des Jahres auf Wonder. Den Titeltrack kann man noch gut in den bekannten The Modernist Katalog einordnen: ein freundliches Hallo, da bin ich wieder! ein federnder Floorstomper. Kodak Moments zeigt seine Liebe zum Pyrolator während der Wunderland Phase. News Value dagegen überrascht doch etwas: die Gitarren erinneren eher an sein Las Vegas Projekt als an das kühl-digitale The Modernist Image. Aber The Modernist ist auch im Techno an einem speziellen Begriff der Schönheit interessiert: er liebt klassische Popharmonien, die Gitarren eines Roddy Frame oder eines Edwyn Collins; die großen Gesten eines Martin Fry oder eines Kevin Rowland. Das waren ‘seine’ 80er. Und so dachte er Song-Strukturen in die swingende Jetztzeit um: Sei es in seinem melodiösen Alterego Bionaut, das sich von sphärisch upliftendem Trance (in kölschem Sinne!) zu einem eher ruhigen und eher für zuhause Songwriting wandelte; oder als Trinkwasser mit Lothar Hempel - zwischen Pet Shop Boys, New Order, The Smiths mit enormem Popappeal straight für die Charts (zumindest in einer anderen Welt...); natürlich mit Mike Ink (alias W.Voigt) als Las Vegas - Amerikamythen, Roxy und Glamrock; schliesslich PopUp, die zwingend naheliegende Kollaboration mit Antonelli Electr. - wie The Modernist für den Club. Immer gilt: Pop als Haltung. Pop als Behauptung. Und jetzt Kangmei. The Modernist’s drittes Album. Und es ist, als würden sich alldiese Stränge, die er über die Jahre ausgelegt hatte, hier vereinen. Kangmei startet verführerisch, ein Neon-Folk Song, der selbst eine Richard Serra Stahlplatte zur Rührung bringen würde. A Goldberg Violation, Verletzung statt Variation oder Mickey Finn das klassische Modernist-Motiv - hüpfende Synkopen, FM Synthese,extrem knackig produzierte melodiöse Kölngroover. Prozac Europe, Kangmei pt. 1 & 2 oder Protest Song vereinen aufs Schönste Nachdenklichkeit und Euphorie: die melancholischsten Vocoder des Frühjahres. Dann zum Beispiel When We Were Golden - erstaunlich, was für ein Händchen der Modernist hat für schmeichelnde Melodien; erstaunlich, wie die Gitarre zu keinem Zeitpunkt daneben klingt, in einer Musik, diedoch Techno! Techno! Techno! schreit; erstaunlich, wie er dabei auf dem schmalen Grad balanciert zwischen Kitsch und hoher Kunst, ohne je abzustürzen. Oder Magic Lantern - eigentlich nur ein kleines Reprise, aber: gegen dieses Kleinod kann ein ganzer Schwung Pärchenpop-Duos einpacken. Ein paar Bilder weiter, der Japaner in Düsseldorf, vielleicht auch auf der Golden Gate Bridge, ein paar Bilder nur - beinahe ein versöhnliches Ende, doch der rockende MK Spitz will, dass man die Platte umdreht und von vorne beginnt. Tun wir ihm den Gefallen. Kangmei. Amerika. Wir kennen die Produktionen und Labels des Modernisten: Virtual Elvis. Interstate 10. Burger Industries und Eat Raw. Wild Horse Annie. Johnny Cash. Fort Knox. Nashville und Las Vegas. Pop Art. Silicon Minor, im Gitarren Valley. Magic Lantern, der angebliche Computervirus des FBI. Immer wieder: Amerika. Kangmei ist chinesisch für: Widerstehe Amerika! Ein Protest Song. Gegen die Arroganz, gegen den Imperialismus, gegen die Dummheit. Auch in Prozac Europe und auch im Wissen darum, dass man doch so vieles und so viele aus Amerika liebt. Kangmei/Widerstehe Amerika heisst: Lass dich verführen, aber bleibe wach! Love makes the difference, “nur ein Lächeln bleibt!” (A. Reihse) J. BURGER´S SELECTED DISCOGRAPHY 1990: 2 Tracks on Thomas Fehlmann´s UK- Compilation “Teutonic Beats” 1991: B. Movement - M.D.Colours (12” Trance Atlantic) Biosphere #1 - 1st Encounter (12” Trance Atlantic) Science Wonder - Braindrain (12” Trance Atlantic / with Mike Ink) Formicula 4 - Formic Acid (12” Trance Atlantic/ with M.Ink, Bolz Bolz & Rootpowder) Burger Industries - Vol. 1 (12” Trance Atlantic) Pacific 231 - 12 Years in N.Y.C. (12” Monochrome / with M.Ink) Stardiver - Lifetime Mission (12” Technozone) 1992: Love Inc. - The Comeback (12” Force Inc./with M.Ink) The Bionaut - Everybody´s Kissing Everyone (LP Blue) Structure - We are Structure (12” Structure / with M. Ink, Jammin´Unit & Dr.Walker) House Hallucinates - Prisoners of XTC (12” House of Underground, later licensed to Power Traxx, N.Y.C. and IT-Records, London) M.f.A.- same (LP Blue / with M.Ink, Jammin´Unit & Dr.Walker) Steve “Silk” Hurley - Jack Your Body /Burger Industries & Bionaut Remixes (12” House of Underground) The Sculpture - The Monument (with M. Ink) 1993: The Bionaut - Frugivore ( CD/LP & 4x 7” in a Fruitbag/ Eat Raw) The Bionaut - Everybody´s Kissing Everyone -Remixes (12” Intense /Force Inc.) Ethik I - Music for Stock Exchange (CD Eat Raw / with M. Ink) Seventyseventyseven - Movin´77 (12” Intense /with M. Ink, R. Voigt , J.Paape) B. Movement - Flow Motion (12” Intense ) Burger Industries - Vol. 2 “That was then but this is now” (12” Structure) Burger Industries - Vol. 1 limited Re-release incl. different tracks (12” Structure) Burger Industries - Same (CD Structure) 1994: Burger Industries - Vol.3 “Virtual Elvis (12” with limited 7”/ Eat Raw) Ethik II - Individual Traffic ( CD Eat Raw / with C. Vogel, T. Heckmann, R. Voigt, J. Paape, M. Mayer, Dr. Walker, Jammin´Unit) The Brotherhood of Structure - We are Family (12” Structure/ with M. Ink, Dr. Walker, Jammin´Unit) J. Burger - 100% 303 free (7” DJ-ungle Fever) The Sculpture - Spartacus (12” Structure) G.E.F. - same (12” Blue / with Dr. Walker, Jammin´Unit, Khan) 1995: Science Wonder - Glam (12” NTA/New Transatlantic) White Jazz - Strange Fruit (12” NTA/New Transatlantic) The Bionaut: Lush Life Electronica (CD/LP Harvest) 1996: The Bionaut: Please Teenage! (MCD Harvest) The Bionaut: Re:[mixed company] (12” Harvest / incl. Mouse-On-Mars-RMX) Burger/Ink: Las Vegas (CD Harvest) Burger/Ink: Bring Trance Back (12” Harvest) Burger/Ink: Avalon (12” Harvest) Burger/Ink: Twelve Miles High (12” Harvest) 1997: The Bionaut: Wild Horse Annie (12” / MCD Harvest) The Modernist: Opportunity Knox (CD/LP Harvest) Trinkwasser: Cobra (12” / MCD Harvest) 1998: The Modernist: Orange Coloured Sky (MCD) Burger/Ink: Las Vegas (CD/LP Matador, USA) 1999: The Modernist: Architainment (12” The Popular Organization) The Modernist: Mrs. New Deal (12” & MCD The Popular Organization) The Modernist Explosion (CD & LP The Popular Organization / Limited Edition incl. free 7”) Trinkwasser: Extraleben (12” & MCD The Popular Organization) The Bionaut: Friends (CD Harvest) 2000: The Modernist Explosion (CD & LP, Matador, USA / incl. New Tracks) 2001: Pop Up: 1 (12” Pop Up / Collaboration with Antonelli Electr.) Pop Up: 2 (12” Pop Up / Collaboration with Antonelli Electr.) The Bionaut: Lubricate Your Living Room (“Best Of”- Compilation CD, Matador, USA & UK) Leichtes Hören Teil 1 (CD/LP-Compilation Popular Organization/Kompakt) Filmscore „Stiller Sturm” T.Thompson /ZDF 2002: Pop Up: 3 (12” Pop Up / Collaboration with Antonelli Electr.) The Modernist Comeback (12” Wonder) 2003: Popular Internationalists PT. 1 (12” The Popular Organization, with D. Klein, Duplex 100) Popular Internationalists PT. 2 (12” The Popular Organization, with D. Klein, Duplex 100) The Modernist: [kangmei] (CD/LP Wonder) Several exclusive Compilation-Tracks as J.Burger, Triola, Geometric Farms, Autobianchi, Modernista´90 & The Modernist. |
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